Schokolade & Sklaverei

Man kann es vielleicht auch Hass-Liebe nennen. Doch ich denke ich spreche für die meisten von uns, wenn ich sage: Wir alle genießen sie, die Schokolade. In allen Variationen und dann darf es auch schon mal ein weiteres Stück sein. Und wenn es wieder zu viel war, wollen wir unsere geliebte Schokolade verfluchen. Es ist wie eine Sucht. Doch kann niemand von uns erahnen welche Folgen dieser Genuss hat.

Die Produktion der Kakaobohne, vor allen die Ernte der Kakaobohne in den 3. Ländern dieser Welt, haben mich dazu inspiriert diesen Artikel zu schreiben. Ich habe für euch viel recherchiert und werde hier die erschreckenden Tatsachen zusammenfassen.

Durchschnittlich isst ein Europäer ca. 11kg Schokolade im Jahr. Die Europäer essen Weltweit die meiste Schokolade pro Kopf. Dementsprechend ist der Bedarf an Kakaobohnen in Europa sehr hoch. Die Elfenbeinküste in Afrika liefert mit 62% die meisten Bohnen, das Nachbarland Ghana liefert 25% der Kakaobohnen zu den großen Firmen weltweit. Verschiedene Hilfsorganisationen beschuldigen die Kakaoindustrie schon lange des Menschenhandels und der Kinderarbeit. Die Schokoladenindustrie wird sogar beschuldigt, diese Straftaten zu verschleiern. Doch was stimmt von all dem?

Im Jahr 2001 haben alle Top-Manager der großen Firmen der Schokoladenindustrie freiwillig das Harkin Engel Protokoll unterschieben, indem steht, dass es bis 2008 jede Art von Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen unterbunden wird und die Menschenrechte unterstützt werden. Sie gaben sich also 7 Jahre um dieses Projekt umzusetzen. Obwohl es dieses Protokoll gibt, antwortet der Chef der größten Firma für Schokoladenproduktion Barry Callebaut, mit 7000 Mitarbeitern alleine in der Schweiz, auf einer Schokoladenmesse, dass er nichts von Kinderarbeit in Afrika wisse – vor laufender Kamera. Er hat so getan als würde er diese Thematik das erste Mal hören.

Das Land Mali in Afrika soll eines der ärmsten Länder der Welt sein. Es grenzt auch zur Elfenbeinküste. Die Schlepper der Schokoladenindustrie fahren mit Busse durch die benachbarten Länder und locken Kinder zwischen 11 – 14 Jahren in den Bus mit dem Versprechen, dass sie an der Elfenbeinküste Geld verdienen werden um die Familie zu ernähren. Man muss sich vorstellen, in diesen Ländern in den kleinen Dörfern gibt es keine Medien, es gibt dort absolut nichts, leider auch kaum Schulbildung. Die Menschen dort glauben, dass es an der Elfenbeinküste Arbeit gibt und die Kinder, wenn sie dort arbeiten, Wohlstand in die Familie bringen und ihre Eltern stolz machen.

Die Kinder werden von überall geholt, oft fahren die Schlepper 1000-2000 km weit um die Kinder zu holen. Es sind dann auch immer mehrere Personen am Kinderhandel beteiligt. Der erste Schlepper fängt die Kinder ein und bringt sie bis zur Grenze, manchmal laufen sie weg und werden dann mit dem Motorrad wieder gefangen und einem Bus übergeben, vor der Grenze werden sie dann eingesperrt bis der zweite Schlepper kommt und die Kinder über die Grenze bringt, der 3. Schlepper fährt die Kinder dann zu einer Stelle wo sie an die Plantagenbesitzer verkauft werden. Das ganze passiert meistens in wenigen Sekunden, sodass Personen die daneben stehen keine Chance haben etwas zu unternehmen.

Kleines Beispiel: in einem Dorf mit 500 Einwohner, sind in den letzten Jahren bereits 130 Kinder verschwunden.

Doch dort an den Landesgrenzen leben auch Menschen die sich zusammen getan haben um den Menschenhandel und die Entführungen zu stoppen. Sie wissen wie die Händler Arbeiten und können dementsprechend schnell handeln. Doch das ist gefährlich. Auch jegliche Recherche ist gefährlich. Im April 2004 recherchierte ein Journalist über die Zustände auf Kakaoplantagen, er ist verschwunden und wurde nie wiedergefunden, der Fall ist bis heute ungeklärt. Ein anderer Journalist wollte ein weiteres Mal zur Elfenbeinküste um über die Schokoladenplantagen zu berichten, doch er bekam kein Visum mehr.

Auch in den Ländern der 3. Welt gibt es Gesetze, die Kinderarbeit und Menschenhandel verbieten. Die Interpol in Afrika hat bei einer großen Aktion viele Kinder befreien können und gemeinsam mit einer Hilfsorganisation die Kinder nach Hause gebracht. Dabei haben sie viele Menschen darauf Aufmerksam machen können, dass die Elfenbeinküste kein Ort ist um Geld zu verdienen oder ein schönes Leben zu führen.

Die großen Firmen wie Nestle, Cargil, Mars, AGM und Barry Callebaut haben jeweils einen Sitz in der Millionen Hauptstadt Abijan auf der Elfenbeinküste. Sie wissen also ganz genau was dort vor sich geht und könnten durch die Mitarbeiter dort vor Ort alles auf den Kakaoplantagen ändern. Der größte Exporteur auf der Elfenbeinküste ist SAF Cacao, der Chef von SAF behauptete in einem Interview, dass auf den Plantagen von denen er den Kakao bezieht ganz bestimmt keine Kinder Arbeiten, doch wurden genau dort Kinder gefunden. Warum lügt er? Es ist die Angst. Wenn die Welt erfährt, dass es noch immer keine Besserung in der Kindersklaverei gibt, fallen die großen Firmen um Milliarden um.

In Ghana wurde bereits eine Art System eingeführt, das dabei helfen soll, nachzuvollziehen welcher Sack mit Kakaobohnen von welchem Bauern stammt. Damit soll man auch herausfinden können, ob der Bauer Kinderarbeit unterstützt indem man ihn kontrolliert. Leider ist dieses System erst ein Anfang und es sind bei weitem noch nicht alle Bauern registriert und geprüft und auch die Suche nach der Akte zu einem Sack Kakao benötigt Geduld. Doch es ist ein Anfang.

Alleine die Firma Nestle setzt im Jahr 70 Milliarden Euro um. Auch alle anderen großen Firmen der Schokoladenindustrie haben genug Umsatz im Jahr und sie spenden auch in Hilfsprogramme an den Kakaoplantagen. Doch wenn bei solchen Umsätzen, wo man erstmal kurz nachdenken muss wie viele Nullen da dran sind, nur ein Betrag von € 400.000,- gespendet wird, ist das wirklich wenig. Wenn man dabei auch bedenkt welche Flops diese Projekte waren!

Als Beispiel:

Den Eltern dort wurde gesagt, dass die Kinder nicht mehr auf den Kakaoplantagen arbeiten dürfen, sondern in die Schulen gehen sollen. Die Eltern haben auf die großen Firmen gehört und die Kinder in die Schule geschickt, dort war aber leider kein Platz für die ganzen Kinder und die Eltern schickten diese wieder auf die Plantagen. Nun hat die Schokoladenindustrie versprochen Schulen zu bauen. Eine Schule haben sie fertiggestellt, doch sie ist zu klein und die alte Schule baufällig, sie haben versprochen die alte Schule zu renovieren, doch nichts geschah.

Eine andere Schule haben sie angefangen und den Dorfbewohner gesagt, sie sollen die Hälfte dazuzahlen, ansonsten bauen sie nicht weiter. Somit blieb der Rohbau stehen. Als UTZ, die Firma die das Projekt leitete darauf angesprochen wurde, war die Begründung, dass sie die Bauarbeiten beendeten, weil es Unruhen wegen der neuen Wahl gab. Doch die Unruhen fingen 1,5 Jahre nachdem UTZ den Bau stoppte an und weitere 3 Jahre nach den Unruhen ist noch immer nichts passiert.

Durch unseren enormen Kakao Konsum sind wir verantwortlich für das Leid dieser Menschen. Die Schokoladenindustrie muss endlich etwas unternehmen was wirklich einen Wert hat! Auch wenn sie es endlich schaffen genug Schulen zu bauen, ist das noch nicht das Ende. Viele Eltern können die Kinder auch nicht in die Schule schicken, weil sie sich die Schulsachen nicht leisten können. Auch wir können dagegenwirken, unser Kaufverhalten hat sehr hohe Auswirkungen auf die Industrie – in jederlei Hinsicht!

Es hat auch Werbungen gegeben, in denen sie Schokoladenindustrie gezeigt hat, wie die Farmer geschult wurden, damit Kinder nicht mehr auf den Plantagen arbeiten. Diese Farmer/Bauer wurden durch diese Schulung auch zertifiziert. Als man aber dort direkt bei den Bauern nachgefragt hat, haben sie freilich eine Schulung bekommen, doch nur über die Kakaobohnen und nicht über Kinderarbeit!

Somit sind die meisten Gütesiegel die nächste große Lüge. Bio ist mittlerweile eine Marke mit einem strengen Vorgabe Katalog, doch das gilt (noch) nicht für Fair Trade. Dafür gibt es leider noch keinen offiziellen Katalog. Doch jetzt mal ernsthaft? Geld regiert die Welt? Sind wir schon so kaputt im Kopf? Man kann sich in die verschiedenen seriösen Siegel einkaufen. Wenn man genug bezahlt kann man das Siegel auf die Packung drucken, man muss zwar Vorgaben einhalten, doch diese sind nicht wirklich streng. Um ein Produkt Fair Trade zu verkaufen, müssen nur 20% des Produkts aus einer Fair Trade Plantage kommen oder wenn man genug Produkte (eine bestimmte Menge) an Fair Trade verkauft, darf man auch auf ein anderes Produkt, das nicht aus einer Fair Trade Plantage stammt auch Fair Trade drauf schreiben, wenn es aus der gleichen Firma stammt, es muss also gar nicht Fair Trade sein.

Diese Gütesiegel sind also auch keine Garantie solange es nicht genaue und strenge Richtlinien gibt.

Das gleiche Problem gibt es bei billigem Kaffee oder Bananen. Doch speziell Nestle setzt noch einen drauf. Sie klauen auch noch das Grundwasser der 3. Welt. Dazu hier einen Bricht von vielen auf YouTube.

 

Fazit

Kauft bewusst ein! Lebensmittel, Kleidung, Spielzeug. Umso billiger die Ware umso größer das Leid der Menschen die sie hergestellt haben. Versucht euch bewusst dagegen zu entscheiden und wenn euch ein Produkt zu teuer ist, kauft es gar nicht bevor ihr zum billigen greift. Meistens brauchen wir es gar nicht wirklich. Oder sucht nach Großpackungen mit glaubwürdiger Zertifizierung. Die große Menge kostet zwar zuerst viel, doch auf 100g gerechnet ist es billiger. Vielleicht könnt ihr es irgendwo gebraucht bekommen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es, auch bei Kleidung, viele Menschen gibt die genau das verkaufen was ich suche. Wenn ich an das denken muss was ich für euch hier herausgefunden habe! Ich möchte gar nicht mehr die neuesten Sachen haben und bei jedem Sale dabei sein. Denn das ist ihre größte Unterstützung und ich entscheide mich bewusst dagegen! Ich kaufe auch bewusst nichts mehr von den großen Konzernen wie Nestle oder Milka etc. Generell bin ich dafür, das bei Schokolade das Ursprungsland der Bohnen auf der Verpackung stehen sollte!

Alle reden von „vegan“ und „vegetarisch“. Doch ist Schokolade weder vegan noch ethisch vertretbar? Wenn Kinder dafür nicht in die Schule gehen können, sich auf der Plantage verletzen oder sogar sterben müssen?

Ich hoffe ich konnte einen Anreiz zum Umdenken schaffen 🙂

 

Hast du Fragen oder habe ich etwas falsch recherchiert? Bitte einfach schreiben.

Quelle: http://ethify.org/content/die-dunkle-seite-der-schokolade-–-kindersklaven-arbeiten-auf-kakaoplantagen

Quelle Titelbild: http://drittewelt.de/afrika/schmutzige-schokolade-2/

 

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